Die Bierhütte im Wandel der Zeit


Idyllisch gruppieren sich die schmucken Häuser um ein schlossartiges Gebäude, wie die Küken um eine Henne.“: „[...]eingebettet in Wälder und Wiesen, dort, wo der Wolfauer Bach in das Reschwasser mündet, liegt [...] die Bierhütte.“
Godehard Konrad Fuchs - geboren auf dem Gut - in seinem Buch
„Eine Perle im Woid – die Bierhütte“

Glaskunst und Braugewerbe

Das schmucke Herrschaftsgebäude und der umgebende kleine Ort verdanken ihren Namen der traditionsreichen Braukunst. Fast vier Jahrhunderte lang wurde sie hier betrieben: von etwa 1555 bis 1915. Erstmals erwähnt findet man die „Hütt’n“ im Jahre 1512 als „Pleuerhütte“ des Glasmeisters Paul Pleuer, der hier das Handwerk des Glasschmelzens betrieb.

Jakob von Buchberg erwarb die Waldglashütte von dessen Sohn und baute sie zwischen 1553 und 1558 zur Herrschaftsbrauerei um. Seine Tochter Elisabeth und ihr Mann Otto Heinrich von Schwartenberg erbten die Bierhütte, die ihren Namen seit dieser Zeit trägt und führten das Brauhandwerk fort. Sohn Jakob vermachte sein Erbe im Jahr 1592 an den Passauer Bischof Urban von Trennbach - die Bierhütte wurde zur fürstbischöflichen Brauerei, bis zur Säkularisierung (d.h. Verstaatlichung) im Jahre 1803. Einer der 13 namentlich bekannten Brauereiverwalter bis zu dieser Zeit war Andreas Anton Pasterwitz, Vater des später berühmt werdenden Musikpädagogen und Komponisten Georg von Pasterwitz, zu dessen Freunden Mozart und Haydn zählten.


1810 wurde die Bierhütte vom Bayerischen Staat versteigert und ging für 14.300 Gulden in den Besitz Lorenz Langs aus Hauzenberg über, der sie ein Jahr später für etwa die Hälfte an seinen Bruder Peter Lang vermachte - wegen seiner eigenen Hauptaufgabe in der Asbacher Brauerei, die er erstanden hatte. Über ein Jahrhundert war die Familie Lang in Besitz des Bräuhauses und machte durch ihre Geschäftstüchtigkeit die Bierhütte zu einem weithin bekannten und gern besuchten Ort. Qualität und Menge der Bierproduktion wurden gesteigert, Gasthäuser bis nach Böhmen und Österreich bekamen ihr Bier aus der Bierhütte.


Ort der Gastlichkeit

Da in den Kriegsjahren kaum mehr Arbeitskräfte zur Verfügung waren und ein Nachkomme die Brauerei nicht übernehmen wollte, wurde sie 1915 stillgelegt und an den Gastwirt und Handelsmann Friedrich Petzi verkauft. Sein Sohn betrieb das Anwesen als Land- und Gastwirtschaft weiter, bis es 1967 an Familie Störzer aus München verkauft wurde. Es begann eine umfangreiche Sanierung des barocken Gebäudes unter Beachtung des Denkmalschutzes, für die Architekt Ludwig Störzer den Ehrenpreis des Bayerischen Wald-Vereins verliehen bekam. Er baute das Haus zu dem gut geführten und viel besuchten „Romantikhotel“ um, dessen Schriftzug heute die Fassade ziert.


2003 erstand Ehepaar Rath aus Moosburg das Hotel. Sie sind die Eigentümer bis zum heutigen Tag. Von März 2017 an wurde das Hotel von Taoufik Abid, einem tunesischen Gastronom, der in Heidelberg studiert hatte, geführt. Nach 2 Jahren Leerstand öffnete im Februar 2020 das Hotel und Restaurant  „Amweia“ seine Pforten.



Chronik
1512
- In der ältesten Wolfsteiner Grenz- und Fischwasserbeschreibung wird eine Glashütte am
Reschbach, die „Pleuerhütte“ und Glasmeister Paul Pleuer genannt.
1526 - Erste urkundliche Erwähnung: als Glashütte „Zum Pleuer“
1545 -  Erwerb der Glashütte „Zum Pleuer bei dem untern Chreutzberg“ durch Edelmann Jakob von Puchberg (Buchberg)
1546 – Jakob von Puchberg erhält Lizenz zum Brauen vom Passauer Fürstbischof Wolfgang von Salm
(zw.
1553 und 1558 – Umbau der Glashütte zur Herrschaftsbrauerei)
1592 – Verkauf der „Pierhütte“ zurück an das Hochstift Passau
1593 – Erste Kennzeichnung der „Pierhittn“ auf einer Landkarte
1625 – 1662: Stillegung des Braubetriebs während des 30-jährigen Krieges
1721 – Brand und herrschaftlicher Wiederaufbau
1803 – Säkularisation in Bayern: die Bierhütte wird Staatsbesitz
1810 – Versteigerung an Lorenz von Lang
1915 – Ende des Braubetriebs
1916 – Verkauf an die Familie Petzi: Nutzung als Wirtschaft, Wohn- und Lagerräume
1967 – Verkauf an Familie Stötz
(
1971 – 1972:  Umbau und Sanierung)
1973 – Eröffnung „Romantik-Hotel Bierhütte“
2003 – Verkauf an Familie Rath
Feb. 2020 – Eröffnung Hotel und Restaurant „Amweia“

-- Zitat zum Hotel: „Alle in der Bierhütte und viele darüber hinaus wünschen und hoffen, dass es den guten Ruf und das Renommee früherer Zeiten wieder erreichen möge.“ Buch, S. 46


Quellen: Buch „Eine Perle im Woid – die Bierhütte“ (Godehard Konrad Fuchs, erschienen 2006), Website Hohenau: https://www.hohenau.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=101843&browser=1, Wikipedia


Bild S. 57 im Buch: um 1890


Gebäude

Ehemaliges Brauhaus (Hotel). Der schlossähnliche Massivbau mit Putzgliederung und Walmdach wurde nach dem Brand von 1721 neu erbaut und 1810 umgestaltet.
Barockes Gebäude.

- zw. 1553 und 1558; Umbau der Glashütte zur Herrschaftsbrauerei
- 1593: Gründliche Renovierung durch Fürstbischof Urban von Trennbach
- 1721 wütete ein großer Brand, die Brauerei mitsamt der Amtswohnung waren bis auf die Grundmauern abgebrannt. Verwalter Andreas Anton von Pasterwitz bedachte den Wiederaufbau mit großer Zimmermannskunst: Es entstand der jetzige stattliche Bau
(, der 1810 noch etwas umgestaltet wurde.) Der Dachstuhl wurde größer und stabiler und steht bis heute unter Denkmalschutz.

(- Mit dem Übergang der Bierhütte an die Familie Petzi im Jahr 1916 wurde der Brauereibetrieb eingestellt. Danach gab es noch eine kleine Wirtschaft, Lager- und Wohnräume. Der Zustand des Gebäudes verschlechterte sich zusehends, und der Verfall drohte.

- 1967 erwarb die Familie Störzer das heruntergekommene Gebäude und nahm im selben Jahr den äußeren und inneren Umbau in Angriff. Das Gebäude blieb als Baudenkmal erhalten und 1973 öffnete es als Hotel und Restaurant seine Tore. Architekt Ludwig Störzer erhielt dafür 1975 den Ehrenpreis des Bayerischen Wald-Vereins. (-- Dank der Initiative des damaligen Eigentümers konnte das barocke Gebäude durch Ausbau zu einem Romantik-Hotel in den Jahren 1971/72 vor dem Verfall gerettet werden.))

(Amtshäuser: S. 19-21 im Buch)

(Kapelle S. 41-42)

(Um das Brauhaus entwickelte sich ein Dorf, das im Urbar von 1788 aus 17 Anwesen bestand.)